Berliner U-Bahn-Historie

Rund 120 Jahre ist es her, dass die Berliner U-Bahn mit der Ministerfahrt im Februar 1902 eingeweiht wurde. Ihre Geschichte ist eine Erfolgsgeschichte,

sagen Verkehrsexperten. Sie gehört zu den größten Untergrundbahnen der Welt und befährt heute mit 10 Linien eine Streckenlänge von fast 150 Kilometern,

die 173 Stationen miteinander verbinden.

Vor der U-Bahn waren die Sänften

Die Geschichte des öffentlichen Personennahverkehrs Berlins beginnt im 17. Jahrhundert. Sänften brachten die betuchte Kundschaft von A nach B.

Sie hielten sich aber nicht lange.

Im 18. Jahrhundert folgte eine Fiakergesellschaft, aber auch diese musste nach knapp 60 Jahren den Betrieb wieder aufgeben.

Das nachfolgende Berliner Droschkenunternehmen des Dessauer Pferdehändlers Mortier brachte Mobilität in die Stadt.

Es folgten Pferdeomnibusse.

Mit der Elektrifizierung Berlins zwischen 1896 und 1902 wurde die Straßenbahn schnell zum beliebtesten Verkehrsmittel der jungen deutschen Hauptstadt.

1902: Startschuss für Berlins U-Bahn

Am 18. Februar 1902 fuhr die erste U-Bahn Deutschlands in Berlin. 11,2 Kilometer lang war die Strecke und beförderte die Fahrgäste vom Stralauer Tor zum Potsdamer Platz. Gebaut von Siemens, seinem Mitgesellschafter Halske und der Deutschen Bank. Der erste Fuhrpark bestand aus 42 Trieb- und 20 Beiwagen.

Zunächst waren die Wagenkästen noch aus Holz, später wurden sie durch Stahlkonstruktionen ersetzt. Die Wagen waren knapp 13 Meter lang, 2,30 Meter breit und gehörten zum Typ Kleinprofilbahn. Jeder U-Bahnzug hatte 122 Sitzplätze und konnte insgesamt etwa 210 Personen befördern.

Obwohl sie als ein Fortbewegungsmittel für die breite Bevölkerung gedacht war, machte der Klassenunterschied auch vor der U-Bahn nicht halt. Wer es sich leisten konnte, fuhr bequem gepolstert in den ersten beiden Klassen – wer nicht, auf Lattenrosten in der dritten. Im Fünf-Minuten-Takt beförderte die neue U-Bahn ihre Fahrgäste. Heute ist sie darauf angelegt, im 90-Sekunden-Takt zu fahren, auch wenn sie das in der Regel nicht tut. Rund 1,4 Millionen Passagiere nutzen die Berliner U-Bahn an Werktagen.

1924: Die Großprofilbahn kommt

Am 2. Dezember 1912 begann der Bau der ersten Großprofilstrecke von der Seestraße zur Gneisenaustraße.

Die Tunnel wurden breiter gebaut als zuvor. Es konnten nun statt der 2,36 Meter breiten Züge die 2,65 Meter breiten Wagen eingesetzt werden.

Außerdem wurde die Stromschiene von unten statt von oben gegriffen, was für mehr Sicherheit sorgen sollte. 1923 war die Großprofilstrecke fertig.

Nur ein kleines Problem galt es noch zu bewältigen: Zu diesem Zeitpunkt litt Deutschland unter der Inflation. Es gab noch keine Großprofilfahrzeuge.

Kurzerhand wurden vorübergehend 24 Kleinprofilfahrzeuge mit so genannten „Blumenbrettern“, also längeren Türschwellen gebaut, zum Ausgleich für den jetzt größeren Abstand zur Bahnsteigkante.

Am 31. Dezember 1924 war es dann aber doch soweit: Die ersten 68 Großprofilfahrzeuge wurden eingesetzt.

Zwei Jahre später folgen die Prototypen der 18 Meter langen Wagen. 1930 wurden für die Berliner U-Bahn die ersten Fahrzeuge mit einem Leichtmetall-Kastenaufbau gefertigt. Die Seitenwände und das Dach waren aus Aluminium. Diese Züge fuhren noch bis 1975.

Die Gewichtsersparnis gegenüber der Normalausführung betrug etwa vier Tonnen.

Krieg und Neubeginn

Der Zweite Weltkrieg unterbrach die technische Entwicklung der Berliner U-Bahn. Die schweren Luftangriffe hatten die U-Bahn stark in Mitleidenschaft gezogen. Viele Wagen wurden zerstört, manche Bahnhöfe waren völlige Ruinen. Viele Menschen benutzten die U-Bahn-Tunnel als Schutz vor Luftangriffen.

Zum Stillstand kam die U-Bahn aber so gut wie nie. Die Streckenabschnitte, die noch befahrbar waren, wurden auch im Krieg weiter benutzt.

Direkt nach dem Krieg gingen einige Wagen als Reparationsleistung an die Sowjetunion und fuhren in Moskau bis 1965. Viele der beschädigten Wagen wurden von den neuen Berliner Verkehrs-Betrieben (BVG) repariert, modernisiert und automatisiert.

Mauerbau und Wende

Mit dem Mauerbau 1961 wurden die Ost-Berliner U-Bahnhöfe gesperrt. Die Züge durften zwar weiterhin durch die Transitstrecke fahren, ein Halt an den Bahnhöfen war jedoch von der DDR-Regierung verboten worden.

Um einen symbolischen Halt zu signalisieren, durften die Züge auf Anweisung der „Berliner Verkehrsbetriebe BVG“ in den Bahnhöfen nur mit maximal 15 Kilometer pro Stunde, später 30 Kilometer pro Stunde fahren.

Die Linie U1

Die Linie U1 der Berliner U-Bahn hat heute 13 Stationen und ist 9 Kilometer lang. Die Strecke wurde ab 1928 mit dem Buchstaben „B“ bezeichnet. Sie verläuft in

Ost-West-Richtung, wobei sie unmittelbar südlich der Trasse der historischen Schlesischen Bahn (Verlängerung der Stadtbahn) am S-Bahnhof Warschauer Straße beginnt, über die Spree führt, Kreuzberg durchquert, über den Wittenbergplatz den Kurfürstendamm erreicht und an der Station Uhlandstraße endet. Sie führt durch die Bezirke Friedrichshain-Kreuzberg, Mitte, Tempelhof-Schöneberg und Charlottenburg-Wilmersdorf. Der östliche Abschnitt der U1, eine aufgeständerte Hochbahn, stellt die älteste U-Bahn-Strecke Berlins dar.

Wie die Linien U2, U3 und U4 gehört sie zum vor 1914 eröffneten Teilnetz der Berliner U-Bahn, das wegen der schmaleren Fahrzeuge und Tunnel als „Kleinprofil-Netz“ bezeichnet wird.

Während der Hauptabschnitt Wittenbergplatz – Schlesisches Tor seit der Umstellung der Linienbezeichnungen von Buchstaben auf Zahlen 1966 die Nummer 1 (ab

1984 mit einem vorgestellten „U“) trägt, wechselte der westliche Endpunkt zweimal. Zu Zeiten, als das Musical Linie 1 geschrieben wurde (1986), fuhren die Züge der Linie U1 noch von Ruhleben zum Schlesischen Tor.

Heute verkehrt die U1 zwischen der Uhlandstraße (Kuhrfürstendamm) und der Warschauer Straße.

Fall der Mauer und Wiedervereinigung der Netze

Das Streckenstück vom Schlesischen Tor zur Warschauer Brücke, 1902 eröffnet, war aufgrund des Mauerbaus im August 1961 eingestellt worden, da der Bahnhof Warschauer Brücke zu Ost-Berlin gehörte. Über Jahre hin verfiel dieser Bahnhof immer mehr, auch wenn er teilweise von Betrieben der DDR genutzt wurde. Auch eine Aufnahme in die Liste „Nationale Kulturerben der DDR“ konnten den Verfall nicht aufhalten.

Nachdem am 9. November 1989 die Mauer gefallen und am 3. Oktober 1990 die DDR der Bundesrepublik Deutschland beigetreten war, bestand die Notwendigkeit, die beiden U-Bahn-Betriebe von Ost und West wieder zu vereinigen.

Ab 1993 fuhren die Züge der Linie U2 wieder durch, die U1 endete weiterhin am Bahnhof Schlesisches Tor.

1992 begannen die ersten Bauarbeiten für die Wiederinbetriebnahme der Strecke. Es waren zahlreiche Sanierungsarbeiten auszuführen, auch Neubauten waren nötig, da einige Gebäude des Bahnhofs zu DDR-Zeiten abgerissen worden waren. Die Oberbaumbrücke über die Spree, die sich in einem sehr desolaten Zustand befand, wurde saniert.

Der spanische Architekt Santiago Calatrava gewann die Ausschreibung und entwarf die Pläne zur Sanierung der Brücke. Neben dieser war auch noch der Bahnhof selber mit seinen drei Bahnsteigkanten, das alte Stellwerk und die Wagenhalle an der Rudolfstraße instand zu setzen.

Am 14. Oktober 1995 fuhr dann der erste Zug wieder zum heutigen Bahnhof, der als Bahnhof Warschauer Straße zumindest nominell zum Umsteigebahnhof

von U-Bahn und S-Bahn erklärt wurde.

Quellen:

https://www.planet-wissen.de/kultur/metropolen/berlin_aufbruch_nach_dem_mauerfall/pwiedieberlinerubahn100.html

https://www.wikiwand.com/de/U-Bahn-Linie_1_(Berlin)#/overview

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