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Die Themen der „West Side Story“ –

so alt wie die Menschheit selbst…

 

Zwei Heranwachsende entdecken ihre Liebe zueinander und schwören sich ewige Treue. Alles könnte schön sein. Doch Hass und Intoleranz zwischen zwei Parteien lassen die gemeinsame Zukunft schnell in einer Katastrophe enden.

Die zerstörerische Kraft des Hasses, der durch rassistische Behandlung und Identitätsverlust oder Zugehörigkeitsgefühl und Besitzanspruch entsteht, tritt in den Hintergrund, wenn durch Liebe gewachsener Mut die Spirale der Gewalt beendet, die vermeintlichen Grenzen durchbricht und neue Perspektiven aufzeigt.

 

Die Themen der „West Side Story“ scheinen komplex, lassen sich aber dennoch auf zwei wesentliche Begriffe reduzieren: „Gegeneinander“ und „Gemeinsam“.

 

„Gegeneinander“ – da ist zum einen den Konflikt junger Menschen mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund. Zwei ethnische Jugendbanden kämpfen um die Vormachtstellung im Problembezirk der New Yorker West Side: Die in Amerika aufgewachsenen Jets gegen die eingewanderten puerto-ricanischen Sharks.

„Gegeneinander“ kennzeichnet darüber hinaus aber auch die Beziehung der Jugendlichen zu Autoritätspersonen wie Eltern, Polizei oder Sozialarbeitern.

 

„Gemeinsam“ steht vor allem für die Liebesbeziehung. Der ehemalige Jets-Anführer Tony verliebt sich in Maria, die Schwester des Sharks-Anführers. Dies verursacht den eigentlichen Konflikt des Stücks: den zwischen Liebe und Loyalität. Eine Lösung scheint nicht greifbar, erst recht nicht nach zahlreichen Intrigen und Toten auf beiden Seiten.

„Gemeinsam“ steht auch für die Beziehung der jungen Leute untereinander. Ihre jeweilige Gang gibt ihnen Halt, ist ihre Familie, ihre Heimat. Für sie sind sie bereit, alles zu geben.

 

Für Leonard Bernstein geht es in der West Side Story „um die Utopie einer von Verständnis, Toleranz, Liebe und Frieden geprägten Gesellschaft“ (Zitat aus dem Jahre 1957).

 

Die ethnischen Spannungen im New York der 1950er Jahre waren nichts Neues. Neu war lediglich die Thematisierung in einem Musical. Hass und Intoleranz sind so alt wie die Menschheit selbst. Das hat sich bis heute nicht geändert.

 

So ist das Thema der „West Side Story“ keineswegs Schnee von gestern, sondern höchst aktuell. Überall auf der Welt – leider!

Auch in Europa und Deutschland gibt es die Tonys und Marias, die am Unverständnis anderer scheitern. Und es gibt in allen Lebensbereichen die Jets und die Sharks, die auf ihre Rechte, auf ihre Meinung pochen und andere ignorieren bzw. diskriminieren. Jeder von uns kennt sie, und wird fast täglich mit ihnen konfrontiert.

 

Insofern ist der von Komponist Leonard Bernstein, Texter Stephen Sondheim, Autor Arthur Laurents und Choreograf Jerome Robbins an Shakespeares „Romeo und Julia“ angelehnte Musical-Klassiker ein wohl zeitloses Stück Kunst. Es sei denn, die Menschheit besinnt sich irgendwann eines Besseren…

 

Dass das Thema zeitlos ist, erkannte Drehbuchautor Laurents bereits 1962: „Wie kann die Liebe überleben in einer gewalttätigen Welt voller Vorurteile? Darum geht es in diesem Stück“